GALERIE & KUNSTHANDEL HARTL

Bischoffshausen Hans (1927-1987)

1927 in Feld am See/Kärnten geboren; nach Einsatz als internierter Luftwaffenhelfer, RAD, Wehrmacht, Matura in Villach; 1946 Beginn mit dem Architekturstudium an der TH Graz; 1947 folgt der "Sturz" in die Malerei (Auseinandersetzung u.a. mit Paul Klee); 1959-1971 Bischoffs-hausen lebt mit seiner Familie unter schwierigsten Bedingungen in Paris; B. wird Mitglied der Zero-Avantgarde; 1972 B. lebt wieder in St. Martin bei Villach; er leidet an einer fortschreitenden Sehnervzerstörung; seine Tätigkeitsfelder sind die Kunst, Architektur, Literatur; als Kultur- u. Architekturkritiker war er ein Seismograph, außerdem Herausgeber der Zeitschrift: "Bischoffshausen und die Kultur" (1964-1969); 1987 stirbt Hans Bischoffshausen in Villach.

Hans Bischoffshausen zählt zu den wichtigsten und unbequemsten Vertretern der experimentierenden europäischen Avantgarde in den 50/60er Jahren. Als unangepasster Kulturkritiker und Künstler entzieht er sich schon mit seinen frühen Arbeiten, in denen Einflüsse eines analytischen Kubismus sichtbar sind, dem Geschmack der Öffentlichkeit. B. wird in Kärnten in die Isolation gedrängt, seine Lebensumstände werden zunehmend beschwerlich. Mit seiner Übersiedlung nach Paris beginnt eine neue, fruchtbare Werksphase (B: Ich spucke Hunderte von Arbeiten aus), obwohl sich die Lebensbedingungen kaum ändern. (B: Ich rase und bin mit vielen materiellen Schwierigkeiten konfrontiert). Struktur - Monochromie - Reduktion bestimmen fortan die Arbeit und mit weiß-in-weiß angelegten Energiefeldern geht er bis an die Grenze des Sichtbaren. B. wird Mitglied der Zero-Avantgarde. (B: Ich treibe die Askese des Weiß bis zum Ende). Mit seiner Rückkehr nach Kärnten wendet sich B. vorerst von der Farbe Weiß ab. Reliefbilder in Gold und Rot entstehen. Ab 1975 setzt sich der "kulturpolitische Außenseiter", wie er sich selbst einmal bezeichnete, mit der Kreuzform auseinander. Materialbilder entstehen, die Bildflächen werden gelocht, gebrannt, die Bildinhalte auf das Wesentliche reduziert. Anfang der 80er Jahre kehrt er wieder zur Farbe Weiß zurück.

Um die Kompromisslosigkeit seiner Denkweise zu veranschaulichen, sei der folgende Text-auszug zitiert: "die gegenwärtige philosophie hat, die "wahrheiten" ERFOLG und KARRIERE auch in den kunstbetrieb ausstrahlend, eine kunst der museen, der sammlungen und der galerien geboren, die, dissoziiert vom leben als ganzheit, aufgeblasen durch eitelkeit und propaganda nur noch ein schatten ihrer eigentlichen bestimmung ist." (brot und wein - Beobachtungen und Bemerkungen zur Integration der bildenden Kunst und die Architektur; Paris, Juli/August 1965)

Ab 1996 erscheinen Bischoffshausens Tagebuchnotizen (Fred Dickermann (1949-2003) hat die Auswahl der Texte vorgenommen) im Wieser Verlag.

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